Romrod. Mehr als 70 Feuerwehreinsätze verursachte Orkantief Friederike im nördlichen Vogelsbergkreis. Alleine im Stadtgebiet von Alsfeld waren 130 Feuerwehrleute bei insgesamt 37 Notfällen gefordert. Bisher sind keine Verletzten zu beklagen. Ein Millionenschaden entstand im Kirtorfer Stadtteil Wahlen durch einen umgestürzten Kran.

Wie ein Polizeisprecher schilderte, trafen die ersten schweren Windböen in den Mittagsstunden auf. „Der Orkan zog von der Gemeinde Mücke über das Antrifttal und die Stadt Alsfeld in Richtung Gründchen“, so der Polizist. In der Feuerwache von Alsfeld wurde aufgrund der gehäuften Notfälle eine Einsatzleitung mit den Stadtbrandinspektoren, der Wehrführung und Bürgermeister Stephan Paule eingerichtet. „Ich bin stolz auf unseren freiwilligen Feuerwehrleute“, so der Bürgermeister. Er hob hervor, dass in der Mittagszeit eines Werktags mehr als 100 Einsatzkräfte für ihr Ehrenamt zur Verfügung standen.

Zu den in Alsfeld koordinierten Einsätzen zählte unter anderem die Rettung von mehreren Autofahrern auf den Landesstraßen zwischen Fischbach und Willingshausen sowie Eifa und Schwarz, sie wurden durch umgestürzte Bäume eingeschlossen. In Eifa drohten zehn Meter hohe Bäume auf ein Wohnhaus zu stürzen, sie wurden mit einer Seilwinde umgelenkt. Zwei Dächer wurden in Alsfeld vom Wind abgedeckt. In Angenrod bargen Feuerwehrleute ein vom Winde verwehtes Trampolin aus einem Baum. An der Raststätte Pfefferhöhe kippte der Anhänger eines Lastwagens um.

Insgesamt zehn Straßen mussten um Alsfeld wegen Windbruch gesperrt werden, mehr als 20 umgestürzte Bäume zählten die Alsfelder Feuerwehrleute auf den Fahrbahnen. Betroffen war auch die Bundesstraße 62. Wo es ging, wurden die Holzstämme zersägt und von der Straße geräumt. Teilweise bestand für die Einsatzkräfte jedoch eine zu große Gefahr, sodass die Straßen für den Verkehr komplett gesperrt werden mussten.

Vielerorts wurden diese Sperrungen jedoch von Autofahrern ignoriert. „Es bestand Lebensgefahr“, so die Alsfelder Stadtbrandinspektoren. Aus ihrer Sicht fehle das Verständnis für die Gefahr von Windbruch. „Stürzende Bäume üben eine tonnenschwere Kraft aus“, so ihr deutlicher Hinweis. Ein Autofahrer strapazierte die Nerven der Feuerwehrleute besonders, er hupte und pöbelte an einer Absperrung. „Die Feuerwehr solle zur Seite fahren, er müsse da durch“, so seine vergebliche Forderung. Auch die Feuerwehr der Stadt Kirtorf hatte immer wieder mit uneinsichtigen Autofahrern zu kämpfen, die durch die Sperrungen fuhren und diese sogar entfernten.

Im Bereich von Kirtorf kam es zu insgesamt acht Feuerwehreinsätzen, meistens wegen umgestürzter Bäume. In Wahlen kam es jedoch zu einem schwerwiegenden Unfall mit Millionenschaden. Auf einer Baustelle für einen Energiepark mit Windkraftanlagen stürzte ein 180-Meter-Baukran um. Nach noch unbestätigten Angaben wehte Sturm Friederike mit Geschwindigkeiten von über 150 Stundenkilometern über die Baustelle. In der Folge stürzte der Kran auf voller Länge um und beschädigte Bauteile für Windräder. Verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr der Stadt Kirtorf war zunächst im Einsatz, um auslaufendes Öl aus dem Kran aufzunehmen. In der Folge wurde die Unfallstelle wegen der Gefahr von umherfliegenden Trümmerteilen jedoch weiträumig abgesperrt. Insgesamt waren wegen des Orkans zwanzig Feuerwehrleute aus Arnshain, Gleimenhain, Kirtorf, Ober-Gleen und Wahlen im Einsatz.

Im Stadtgebiet von Romrod kam es wegen umgestürzter Bäume zu zwei Feuerwehreinsätzen, hier fiel unter anderem ein Baum mit einem Stammdurchmesser von mehr als zwei Metern auf die Landesstraße in Richtung Nieder-Breidenbach. Zur Unterstützung kam hier ein Teleskoplader zum Einsatz. In der Gemeinde Grebenau rückten rund 20 Feuerwehrleute zu Sturmalarmen aus. Wie Stadtbrandinspektor Michael Jahnel schilderte, kam es aufgrund von umgestürzten Bäumen zu fünf Einsätzen. In der Gemeinde Mücke gab es wegen umgestürzter Bäume drei Feuerwehreinsätze, so mussten auf den Straßen zwischen Merlau und Atzenhain sowie zwischen Neider-Ohmen und Bernsfeld einige Bäume mit Motorsägen entfernt werden. Auch der Bauhof der Gemeinde Mücke war dazu im Einsatz.

In der Gemeinde Feldatal kam es zu sechs Unwettereinsätzen, wie Gemeindebrandinspektor Rüdiger Klaus schilderte. Besonders betroffen war die Kreisstraße 125 bei Groß-Felda, zudem fielen Bauteile von einem Gerüst an der Kestricher Kirche. Einen „halben Baum“ entfernten die Feuerwehrleute von der Straße zwischen Köddingen und Windhausen. Im Stadtgebiet von Homberg (Ohm) kam es zu 12 Feuerwehreinsätzen, besonders betroffen waren Bleidenrod, Deckenbach, Homberg und Schadenbach. Wie Stadtbrandinspektor Thomas Stein schilderte, mussten einige umgestürzte Bäume mit Motorsägen entfernt werden. In der Kreisstadt Lauterbach war die Feuerwehr zweimal im Einsatz. Wie Stadtbrandinspektor Hans-Jürgen Schütz schilderte, stürzten Bäume unter anderem auf die Landesstraße in Richtung Schlitz. Zudem wurde auf der Bundesstraße 254 zwischen Brauerschwend und Reuters ein Lastwagen umgeweht.